Handwerk & Rohstoff

Unter dem Flachshandwerk (historisch oft von den Flachsern ausgeführt) versteht man die traditionelle, extrem arbeitsintensive Gewinnung und Verarbeitung von Flachsfasern (Faserlein) zu hochwertigem Leinenstoff.
Bis ins 19. Jahrhundert hinein war diese Form der Textilherstellung im ländlichen Raum ein essenzieller und gemeinschaftlicher Bestandteil des Alltags, bevor sie weitgehend von der günstigeren Baumwolle verdrängt wurde.
 
Die zentralen Arbeitsschritte im Überblick:
Vom Feld bis zum fertigen Stoff durchläuft der Flachs eine Vielzahl rein mechanischer und biologischer Prozesse.

Raufen (Ernte) - Die reife Pflanze wird nicht abgemäht, sondern samt der Wurzel aus dem Boden gezogen („gerauft“), um die maximale Faserlänge zu erhalten.
Riffeln (Entkapseln) - Die Samenkapseln werden mithilfe eines groben Riffelkamms (Stahlkamm) von den Stängeln abgetrennt. Die Samen (Leinsamen) nutzt man für Öl, Viehfutter oder die neue Aussaat.
Röste (Rotten) - Die Halme werden auf Wiesen ausgelegt (Tauröste) oder in Wasser eingelegt (Wasserröste). Bakterien und Feuchtigkeit lösen dabei die pflanzlichen Klebstoffe (Pektine) zwischen dem holzigen Kern und den wertvollen Bastfasern.
Brechen (Braken) - Nach dem Trocknen wird der spröde Stängel mit einer Flachsbreche mechanisch zertrümmert, um den inneren Holzkern aufzubrechen.
Schwingen & Hecheln - Beim Schwingen werden die restlichen Holzsplitter (Schäben) abgeschlagen. Danach wird das Faserbündel durch feine Hechelkämme gezogen, um die Fasern zu reinigen, zu parallelisieren und kurze von langen Fasern zu trennen.
Spinnen & Weben - Die verbliebenen langen Qualitätsfasern werden traditionell am Spinnrad zu feinem Leinengarn verdreht und anschließend auf dem Webstuhl zu Leinenstoff verarbeitet.


Das Bergbau und erzgebirgische Volkskunst unsere Region prägten ist weit über Landesgrenzen hinaus bekannt. Weniger bekannt ist, dass früher auch das Flachshandwerk und die Leinenweberei in den Dörfern und Gemeinden unserer Region weit verbreitet waren. Ein paar Gemeinden, Vereine und geschichtsinteressierte Bürger haben noch Kenntnis von der ausgeprägten Bewirtschaftung und der über Jahrhunderte währenden handwerklichen Kompetenz in unserer Region.

Was einst auf den Bauernhöfen im Erzgebirge so normal wie die Fruchtfolge auf den Äckern war, verliert mehr und mehr an Wissen und damit auch an kultureller Identität für unsere Region. Der Flachsanbau, vor allem aber die Verarbeitung der Flachshalme war vor jeher ein „Gemeinschaftsprojekt“ in der Familie bzw. im dörflichen Verbund.
(Herum)-Flachsen nannte man diese teils anstrengende und eintönige Tätigkeit, bei der durch angeregtes Scherzen und Spaßen dennoch eine ausgelassene Stimmung herrschte und obendrein Tratsch ausgetauscht wurde.

Viele noch heute geläufige Redensarten und Sprichwörter haben Ihren Ursprung in den teils mühseligen Arbeiten rund um die Gewinnung der Leinfaser und dem Weben. Mit unseren Flachs-Projekten möchten wir an diese alte Bewirtschaftungsform erinnern, Interesse an handwerklichem Selbsttun wecken und gleichzeitig Wissen bewahren.

Flachsverarbeitung:


  • Faserflachs
  • Riffeln
  • Brechen
  • Schwingen
  • Hecheln